Sorry Jungs! – Ein Jahr Dating-Portal Erfahrungen von Lillie

„Wie lange bist du eigentlich schon dabei?“, frage ich Albert, meinen Single-Kumpel, nachdem ich mich mal wieder bei ihm über einen Vollpfosten ausgeheult habe. Dieser hatte abends einen total guten Eindruck gemacht, wir hatten geknutscht und damit den Verkehr auf dem Parkplatz aufgehalten, dann noch zwei Stunden telefoniert. Und morgens war ich gelöscht. „Bei den Dating-Portalen,“ ergänze ich und wische mir die Tränchen aus den Augen. Themenwechsel. Kann nur gut sein, zumal mein Single-Kumpel das alles immer so schön cool und kopfgesteuert sieht. Ganz anders als ich.

Er sagt: „Ich finde es gut, dass es sowas gibt … mag vielleicht daran liegen, dass ich ein online-affiner Mensch bin und gern über diesen Weg kommuniziere.“ Oh ja, das ist er, denke ich. Online-affin, logisch, dass er das gut findet. Wie ich ist er schön über ein Jahr dabei. In meinem Fall sind es zwei Portale gewesen, bei denen ich es versucht hatte, das mit den angeblich kultivierten und das mit den ökologisch gesinnten Menschen

Aber ich habe meinen Single-Kumpel unterbrochen, der gerade weiter referierte: „Dating-Portale eröffnen mir die Möglichkeit, überhaupt interessante Menschen kennen zu lernen. Hier in der Kleinstadt ist halt die Auswahl nicht so groß, eher gar nicht vorhanden. Und so kann ich meinen Radius einfach erweitern … und mit vielen Menschen in Kontakt treten in der Hoffnung, dass die
Eine irgendwo dabei ist …“ Da ist mein Kopfmensch also doch manchmal auch Bauchmensch, denke ich mit einem Grinsen. Die Eine … sucht er die also auch. Wäre das schön, die oder den Einen zu treffen! Da sind wir einer Meinung.

Ist mir der Eine eigentlich schon begegnet nach einem Jahr? Nö. Getroffen habe ich dafür diese Herren:

Der „Wisch-und-Weg“-Typ:

Zu dieser Sorte gehörte der von letztem Abend. Knutschen, schöne Augen machen, Herz stehlen, weglöschen. Oder per läppischer SMS, weil der Wisch-und-Weg-Typ nicht den Arsch in der Hose hat, vernünftig mit mir zu reden. „Bei mir gab es Vorgänge, die mich veranlassen, unsere Beziehung zu beendet, auch in deinem Sinne.“ Und was ist mit den Koseworte, die du gestern in mein Ohr geflüstert hast, weißte noch, als du mir ausgemalt hast, wie wir bald zusammen kochen und das Essen anbrennen lassen, weil wir gleich in der Kiste landen? Wisch-und-weg aus meinem Leben! Und mit Meister Proper nachpoliert!

Noch mieser ist diese Sorte von Mann:

Der Stalker-Typ:

„Wenn du mich nicht im wirklichen Leben treffen willst, finde ich dich. Dann setzte ich mich in dein Büro und starre dich solange an, bis du mit mir ausgehst.“ Als ich diesen Typen mit einem Gruseln schnell gelöscht hatte, war plötzlich diese Mail auf meiner Dienstadresse. Wie hatte er die gefunden? Und so schnell? Mir ist Angst und Bange geworden. Mädels, hütet euch vor diesen Typen und setzt am besten ein Bild ins Portal, mit dem man euch nicht sofort erkennen kann. Hab ja gesagt, online-affin bin ich nicht, aber inzwischen ein bisschen klüger.

„Mädel, sind wir Männer denn alle so schlimm,“ fragt Albert. Und dann wird er ein bisschen weicher, oder will er mich nur veräppeln? „Meine Ärmste, wie kann ich dich trösten?“ Meine Ärmste … schick mir doch mal die netten Typen vorbei, will ich ihm sagen, aber Albert kann ja nun auch nichts dafür, dass mir immer wieder die Honks begegnen. Na gut, es gab ja auch nettere. Ich fange mal mit dem an, über den ich herzlich gelacht habe:

Der „Hast-du-auch-Tagesfreizeit?“-Typ

Kann man sich sowas vorstellen? Ist so eine Frage wirklich ernst gemeint und wie kann eine selbstbewusste Frau, die auf der Suche nach einem Partner ist, ohne Lachsalve darauf antworten? Gefragt hatte er nämlich, weil er selbst tagsüber zu Hause war, während seine Frau die Brötchen für ihn und die Familie verdient hat. Müsste ich doch verstehen, dass er mich nur tagsüber besuchen kann, meinte er. Ach ja, ob er mich besuchen würde, hänge von meiner Körbchengröße ab, meinte er noch. „Zu groß für dich,“ dachte ich, mein Hirn zumindestens. Aber wisst ihr, was ich im gesagt habe, bevor ich ihn löschte? „Groß und fest, genau, wie du sie wahrscheinlich magst. Und heute habe ich sogar meine rote Reizwäsche an, aber du wirst sie nicht sehen.“ Good bye und auf Wiedersehen, Ihr Kontakt verabschiedet sich von Ihnen.

Albert verdreht die Augen. „Da muss es doch auch andere gegeben haben, meine Ärmste.“ Meine Ärmste schon wieder, na ja. Da hätte ich noch diesen anzubieten:

Der „Lass-uns-alle-Eissorten-der-Welt-zusammen-kosten“-Typ:

Das war so romantisch, als er mir das nach unserem Date schrieb! Und das Eis, das wir zusammen gegessen hatten, war tatsächlich auch gut. Das Problem war nur, dass ich bei unserem Date eher an das Eis gedacht habe als an den schönen großen Mann, der neben mir saß und ebenfalls welches aß. Denn er redete. Und redete. Und redete. Ohne Unterbrechung. „Hey, willst du mich nicht auch mal was fragen oder mich mal zu Wort kommen lassen,“ habe ich am Anfang unseres Dates gedacht. Aber hat er nicht. Und bei seinem Wortschwall habe ich mich dann eben eher auf das Eis konzentriert. Und den Sonnenuntergang. Und die Kulisse der mittelalterlichen Stadt, in der wir saßen. Schönes Ambiente, schöner Mann, gutes Eis. Aber geht nicht. Trotzdem danke für den romantischsten Satz, den ich seit langem gehört habe.

Der „Ich-bin-noch-nicht-bereit-für-eine-Beziehung“-Typ:

Mit dieser Art von Mann hat frau normalerweise auch ein schönes erstes Date. In meinem Fall war’s ganz romantisch. Ein lauer Sommerabend. Ich habe den Weißwein mitgebracht, er die Gläser und Oliven. Erstes Treffen im Park. Wie Luke Perry hat er ausgesehen, ihr wisst schon, „Beverly Hills 90210“, da merkt man, dass ich über 50 bin. Wir hatten viel gemeinsam, haben die halbe Nacht im Park geredet, es war total lustig. Dann hat er mich nach Hause gebracht, hat sich höflich verabschiedet und ist mit seinem Rad in die Nacht gefahren. „Und wer küsst mich jetzt?“, habe ich gedacht, als ich nur mit meinem Kuscheltier im Bett lag. Hm, komisch. Am nächsten Tag der Eintrag ins Dating-Portal: „Bin noch nicht bereit für eine Beziehung“. Und warum bist du dann hier, habe ich gedacht? Wollte de rmich loswerden? Aber warum meldet er sich dann alle vier Wochen, geht mit mir einen Kaffee trinken oder bringt mir Bücher vorbei? Luke Perry, entscheide dich!

„Jetzt hör‘ mal auf zu jammern,“ sagt Albert, mein Single-Kumpel, und reicht mir noch ein Taschentuch. Für die Tränen, die ich inzwischen gelacht habe. „Irgendwann wirst du schon den richtigen treffen.“ Ja, ja, hat er vielleicht recht, aber warum bist du eigentlich nach Jahren immer noch dabei, mein online-affiner Freund? Ist die „Eine“ wohl noch nicht vorbeigeschneit, oder? Na ja, vielleicht im nächsten Jahrzehnt. Mal sehen, ob ich Albert mal dazu kriege, mir zu erzählen, welche Typen Frau er in seinen vielen Jahren Online-Dating schon getroffen hat…

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2 Kommentare zu „Sorry Jungs! – Ein Jahr Dating-Portal Erfahrungen von Lillie

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