„Single Bells, Single Bells“: Weihnachten ohne (feste/n) Partner/in

Wendy Cope, eine britische Dichterin, hat das in Worte verpackt, was viele von uns zu Weihnachten spüren:

„At Christmas little children sing and merry bells jingle,                 
            The cold winter air makes our hands and faces tingle
            And happy families go to church and cheerily they mingle
            And the whole business is unbelievably dreadful, if you’re single.“

Und die ganze Sache (nämlich Weihnachten!!!) ist unglaublich schrecklich, wenn du single bist. Stimmt nicht, denkst du? Lillie übertreibt wieder? Fragen wir doch mal eine nicht-repräsentative Auswahl an Frauen und Männern aus Lillie’s Bekanntenkreis, die Weihnachten ebenso ohne (festen) Partner verbringen:

A., männlich, bleibt zu Hause und vermisst seine Freundin, die ihn Anfang des Jahres rausgeschmissen hat. Trinkt viel Weißwein und hört „Einstürzenden Neubauten“ statt Weihnachtsmusik.

K., weiblich, teilt sich die Weihnachtszeit mit den Vätern ihrer Kinder. Die sind mal hier, mal da. Wenn die Kinder nicht da sind, ist K. bei R., der aber selbst eine Ex-Familie hat und ebenfalls zwei Kinder, die er die halbe Weihnachtszeit bei sich haben kann. Logistischer Alptraum.

F., männlich, sitzt alleine zu Hause, weil er seine Freundin (Lillie) mieserweise im Sommer verlassen hat und meint, sein Leben alleine besser auf die Reihe zu bekommen. Wollen wir doch mal sehen, wie sich das zu Weihnachten anfühlt…

B., weiblich, teilt die Weihnachtszeit ebenfalls mit ihrem Ex-Mann. Wenn die Kinder nicht bei ihr sind, ist sie selbst bei ihrem neuen Freund. Ein Neuanfang. Könnte schön sein, mal sehen. Aber unsicher, ob die neue Beziehung überhaupt feiertagstauglich ist.

T., männlich, hasst seine Frau und ist innerlich von ihr getrennt. Trotzdem wohnt er noch bei ihr und ihrem gemeinsamen Kind und wird Weihnachten auch dort verbringen. Und heulend in seiner kalten Gartenlaube, weil er so unglücklich ist. Schlimm, schlimmer, am schlimmsten.

M., weiblich, ist zu Weihnachten bei ihren Eltern und hört sich die traurigen Liebesgeschichten ihrer Schwester an, die selbst in einer nicht idealen Beziehung lebt. Sie selbst vergräbt sich in den Büchern, die sie hoffentlich geschenkt bekommt und zieht sich in ihr ehemaliges Kinderzimmer zurück. Glühweinverbrauch? Hoch.

L., weiblich (das bin ich), verbringt Heiligabend mit Kind, Ex-Mann und Mutter. Denkt doch wieder an F., männlich, und ist ein bisschen traurig. Fühlt sich hin und hergerissen zwischen dem alten und dem neuen Leben und wie bei Hannes Wader „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort…“. Emotional gesehen.

Seht ihr, so ist das. „Unbelievably dreadful, if you are single.“ Ach, einen habe ich noch vergessen. A., männlich: „Übrigens, Albert, was machst du eigentlich zu Weihnachten,“ habe ich ihn gefragt. “Heiligabend geht es zum Gottesdienst, da muss ich tröten (Lillie: damit meint er wohl Tuba spielen im Posaunenchor) … wahrscheinlich auch zur Heiligen Nacht um 23 Uhr … dazwischen dann
Essen mit Kindern, Eltern, Ex-Frau und Schwiegermutter, die Kinder bekommen dann auch ihre Geschenke … Am Weihnachtstag dann schon wieder Tröten im Gottesdienst, wahrscheinlich noch leicht schläfrig durch die kurze Nacht davor, dann die obligatorische Gans bei den Eltern, und
danach wird es ruhig … Schütz weiter hören, Serien gucken… nix Brutales, ist ja Weihnachten. Im Grunde so wie jedes Jahr …“ Klingt ja wie bei mir, L., weiblich, Albert. Und was ist mit der neuen Freundin, frage ich mich? Will er mir wohl nicht erzählen.

Ich habe mir vorgenommen: In diesem Jahr, in dem Weihnachten aber wahrscheinlich für alle aufgrund der Kontaktbeschränkungen etwas „dreadful“ ist, überlege ich mir was Neues. Verziere Lebkuchenmänner mit M., weiblich, und esse sie danach mit ihr auf. Vielleicht gibt es für uns beide im nächsten Jahr einen Mann, der aus Fleisch und Blut ist, aber genau so süß? Trinke Weißwein mit A., männlich, und mache mit ihm einen Film-Marathon durch eine der Rauhnächte hindurch. Lade B. und K. zum Schokoladenfondue ein, wenn die beiden kinderlos und ohne ihre gegenwärtigen Männer sind, damit wir die ganzen Hohlkörper einschmelzen und mit Früchten genießen können. Natürlich auf Abstand und unter Einhaltung der Hygieneregeln. Und Albert, was machen wir zu Weihnachten zusammen? Wir schicken uns wahrscheinlich YouTube-Links hin und her und, wenn es gut geht, treffen wir uns an einem Abend zum Heinrich-Schütz-Hören. Die Gesamtausgabe haben wir schließlich erst angefangen. Das reicht noch für mehrere alternative Weihnachten.

Nur T., männlich, kann ich nicht helfen, da muss er allein durch. Und F., männlich, kann bleiben, wo der Pfeffer wächst.

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