Reichtum ist asozial

Ich sehe schon, wie Lillie ihre Augen verdreht und denkt, „Was ist Albert nur für eine linke Socke?“ Ja, sie hat recht, ich bin eine linke Socke und ich stehe dazu. Und die Linke hat nun auch immer wieder extreme Ideen und Vorschläge. Extrem, aber gut.

Lillie fragt natürlich gleich: „Was denn für Vorschläge? Kostenlose Kondome für alle über 50?“

„Psssst, Lillie!“ Also ich finde, dass Reichtum im Sinne von Geld und Vermögen asozial sind. Denn es ist schlicht und ergreifend ungerecht und damit gegen die soziale Gemeinschaft, denn andere Menschen sind nicht reich, ja, sie leiden sogar an Armut. Und Reichtum kann auch nur durch Ausbeutung entstehen, denn was dem Einen gegeben wird, muss dem Anderen ja genommen werden.

„Und du bist Robin Hood, Albert, und willst alles den Reichen wegnehmen und den Armen geben? Wo ist denn dein Schlachtross? Wusste gar nicht, dass du im Sherwood Forest wohnst …“ quatscht Lillie schon wieder rein. Ich gebe ihr den „nun-lass-mich-doch-mal-reden-Blick“.

Befürworter einer freien neoliberalen Wirtschaftsordnung verteidigen ja ihr Leistungsprinzip und behaupten, jeder könnte es schaffen und reich werden. Die Realität zeigt aber, dass dies nicht geht und auch nicht der Fall ist. Mit einer normalen Arbeit kann man nicht reich werden. Und sind
deswegen diese Menschen weniger leistungsbereit? Gerade in den Zeiten von Corona zeigt sich, dass viele unterbezahlte Berufsgruppen ungemein wichtig sind, z.B. Menschen, die in der Pflege arbeiten. Ist diese Arbeit weniger wert als die eines Fußballers, der Millionen verdient, oder die Arbeit eines Top-Managers?

Reichtum führt immer mehr zu einer Spaltung der Gesellschaft, die sogenannte Schere zwischen Arm und Reich wächst. Und auch weltweit führen diese Unterschiede in der Vermögensverteilung zu Konflikten, zu Flüchtlingsströmen. All‘ dies würde nicht passieren, wenn der Reichtum dieser Welt gerecht verteilt wäre.

Was können wir dagegen tun? Für mich zählt dazu vor allem die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens. Man hätte dies zum Anfang der Corona-Krise wunderbar testen können. Anstatt Geld in Unternehmen und Konzerne zu stecken, wäre es gerechter gewesen, alle Menschen zu
unterstützen. Und viele Studien belegen, ein solches Grundeinkommen ist finanzierbar, allein schon aus den Mitteln einer Finanztransaktions-Steuer könnte dies geschehen. Und auch die Reichen
müssen sich an einer Finanzierung beteiligen.

„Da schauste dumm aus der Wäsche, Lillie, oder,“ sage ich zu ihr, die mich nun verwundert ansieht. Oder ein wenig erschrocken, weil sie meinen „nun-lass-mich-doch-mal-reden-Blick“ noch nicht so oft gesehen hat? Musste doch mal gesagt werden.

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