Lillie löchert … die Chefarztgattin:

„Was muss eine Krankenschwester tun, wenn sie es nach 20 Jahren immer noch nicht geschafft hat, einen Arzt zu angeln?“

Lillie weiß leider nicht über alle Liebesdinge Bescheid. Oder glücklicherweise? In dieser neuen Rubrik bei Zwei-über-50 befragt sie Spezialistinnen und Spezialisten zu bestimmten Liebes-Themen. Und macht mit Zoe weiter, Chefarztgattin und schlaue Freundin, die sicherlich viel davon berichten kann, mit einem Arzt verheiratet zu sein.

Lillie: „Viele Frauen versuchen, sich einen Arzt zu angeln, vielleicht noch einen Chefarzt. Du bist mit einem verheiratet. Dein Fazit?“

Zoe: “Nun ja, ich habe nicht gezielt nach einem Chefarzt Ausschau gehalten. Es hat sich vielmehr so ergeben. Wir haben uns verliebt und dann war der Beruf zweitrangig. Eigentlich wollte ich niemals einen Arzt heiraten.“

Lillie: „Wie lange seid ihr schon zusammen? Und was ist oder war besonders schwierig bei euch?“

Zoe: “Wir haben bald Silberhochzeit. Die große Herausforderung ist, dass sein Beruf alles dominiert, selbst die Freizeit. Ein Beispiel: wir sind auf einer Party eingeladen und freuen uns auf einen schönen Abend. Doch sobald man neuen Leuten vorgestellt wird und es heißt ‚xyz ist Arzt‘, dann geht es los und die meisten sehen in dem Zusammentreffen die Chance einer kostenlosen Privatsprechstunde. “

Lillie: „Ich hatte ja auch einige Dates mit einem Chefarzt. Er war sooo klug. Sooo eloquent. Sooo etwas Besonderes. Aber am Ende hat es nicht geklappt. Warum, weiß ich bis heute nicht. Mein Eindruck war, dass er alleine über seine Zeit bestimmen wollte und über die Entwicklung der Beziehung. Und mir keine Mitsprache eingeräumt hat. Ticken Ärzte so?“

Zoe: “Ein bisschen schon. Gerade wenn man es beruflich gewohnt ist, andere anzuweisen und auch in schwierigen Situationen blitzschnell Entscheidungen treffen zu müssen, die über Leben und Tod entscheiden, dann geht das in Fleisch und Blut über und lässt sich im Privaten nicht per Knopfdruck ausschalten.“

Lillie: „Worauf muss man sich einstellen, wenn man einen Arzt datet?“

Zoe: “Auf jeden Fall muss frau sich darüber klar, dass er, sollte es zu einer Beziehung kommen, im Freundeskreis und in der Öffentlichkeit einen Großteil der Aufmerksamkeit bekommt, selbst wenn er nicht aktiv danach heischt. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum so viele Ärzte eine Kollegin zur Partnerin nehmen. Und natürlich ist die Konkurrenz groß und manchmal auch das Ego des Herrn Doktor. Es kommt eben darauf an, was frau vom Leben erwartet. Wenn es der Klassiker ist – Eigenheim, 2 Kinder und ein Hund -, dann kann das schwierig werden, wenn sie sich nicht von vornherein darüber im Klaren ist, dass sie sich zum größten Teil darum allein wird kümmern müssen. Ein Workaholic wie ich ist viel zu beschäftigt als sich darüber zu ärgern, dass nicht pünktlich um 18 Uhr die Familie einträchtig zusammen beim Abendbrot sitzt.“

Lillie: „Gibt es viel Konkurrenz? Gibt es Frauen, die einer Arztgattin den Mann ausspannen wollen? Und wie gehst du damit um?“

Zoe: “Da braucht man schon ein dickes Fell und ein gesundes Selbstbewusstsein. Für viele Menschen ist ein Arzt immer noch ein Halbgott in Weiß. Und von diesem Glanz möchte dann die Eine oder Andere gerne etwas abhaben, weil sie sich davon eine Art gesellschaftlichen Aufstieg verspricht. Im Krankenhaus selbst lauert die größte Konkurrenz, auch wenn die Statistik, zumindest in meinem persönlichen Umfeld, dagegen spricht. Ich kenne keinen, der eine Krankenschwester zu seiner Frau gemacht hat. Es gibt unter Medizinern diesen bösen Witz. Was muss eine Krankenschwester tun, wenn sie es nach 20 Jahren immer noch nicht geschafft hat, einen Arzt zu angeln? Dann muss sie wohl oder übel doch noch selbst Medizin studieren.“

Lillie: „Fazit: Wenn du nochmal die Wahl hättest? Würdest du wieder einen Arzt heiraten?“

Zoe: “Sagen wir mal so: ich würde diesen Mann wieder heiraten. In einem Paralleluniversum dürfte er aber schon einen anderen Beruf haben, Astrophysiker vielleicht…“

Copyright: Susanne Saker

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