Liebe in den Zeiten der Cholera … ähm … von Corona: Lillies erstes Zoom-Date

Ja, die Zeiten sind nicht einfach, vor allem nicht für Menschen, die sich im Corona-Jahr kennenlernen wollen. Sollte man jemanden spontan küssen? Braucht man nicht nur Kondome und eine rote Rose, wenn man sich zu einem Date trifft, sondern vielleicht auch noch einen aktuellen negativen Schnelltest? „Zeig‘ mir dein negatives Testergebnis, bevor ich meine Lippen auf deine drücke und vielleicht Aerosole mit dir austausche!“ Sexy, oder? Nicht wirklich.

Lillie hat sich jedenfalls kürzlich zu ihrem ersten Zoom-Date getroffen. Dabei ergaben sich die folgenden Fragen:

1. Wie bereitet frau sich vor?
Duschen, Haare waschen, Nägel machen, eincremen, ein feiner Duft – so bereitet sich Lillie normalerweise auf ein Date vor. Ist das bei einem Videodate auch nötig? Diese aufwendigen Schritte könnte man doch eigentlich überspringen und so 10 Minuten Vorbereitungszeit sparen. Und einen Spritzer teures Parfüm. Aber nein. Ich habe das alles gemacht, nur: das Eincremen und der Duft waren natürlich für meine Psyche und mein Wohlbefinden. Und das hat seeeehhhhr gut getan. Warum sollten wir uns nicht auch mal pflegen, wenn es nur um uns geht und es niemand anderes bemerkt?

2. Was zieht frau an?
Bei einem richtigen Date stimmt bei Lillie alles. Sexy Unterwäsche, Schuhe, Sockenfarbe in Übereinstimmung mit den anderen Farben am Lilliekörper. Hier habe ich dann aber doch gespart und abgekürzt. Die enge rote Unterwäsche blieb im Schrank, statt dessen habe ich mir was Bequemes angezogen, was nicht spannt und einschneidet. Und ich habe auch kontinuierlich die mahnende Stimme von Karl Lagerfeld zur Seite geschoben, die besagte, dass man die Kontrolle über sein Leben verloren habe, wenn man Jogginghosen trägt. Ist doch egal, wenn man auf dem Bildschirm nur das Obenrum sieht, oder? Lillie war jedenfalls total schick gekleidet, sogar mit Perlenkette und ein wenig Lippenstift, aber eben nur obenrum und obendrauf. Drunter wählte sie bequem … und es hat ihr sehr gut getan. Die Filzpantoffeln haben die Füße so schön gewärmt, da hatte ich gleich gute Laune!

3. Wie präsentiert man sich auf dem Bildschirm?
Bei einem Date wählt Lillie eigentlich ein schönes Ambiente. Und so sollte es auch beim Videodate sein. Also habe ich die Kamera so platziert, dass ich vor einem schönen Hintergrund saß, habe den geputzt und gut aufgeräumt. Noch eine schöne Pflanze hingestellt. Ist doch egal, dass die restliche Küche aussah wie nach einem Tornado. Da habe ich dann wirklich Zeit gespart … und musste immer mal grinsen, denn ich sah ja die Geschirrberge, die in den Spüler mussten, den übervollen Wäschekorb und die staubigen Regale, nicht aber mein Date, der sich sicherlich dachte: „Oh, was für eine schöne Küche. Da möchte ich auch mal speisen.“

4. Wie gibt man sich während des Dates?
Lillie hat sich gut platziert, bequem gesessen, musste nicht auf zu hohe Schuhe oder zu lange Schritte achten. Dafür konnte ich meine Stimme schön tief machen und gewählt sprechen. Das ist normalerweise gar nicht so leicht, wenn man bei einem richtigen Date darauf achten muss, dass man nicht umknickt oder sich den Absatz irgendwo abbricht. Und Probleme mit dem Essen und Kleckern gab es auch nicht. Im Restaurant wäre das schwieriger gewesen.
Die einzige Herausforderung: nichts am Rechner ändern, Kamera und Audio vorher schön testen und dann anlassen, keinen „Bildschirm teilen“ und nicht nebenbei Nachrichten auf dem Handy lesen wie sonst immer bei Videokonferenzen.

5. Wie beendet man das Date?
Tja, gute Frage. Wer schaltet zuerst aus? Winkt man sich nochmal, wie das viele bei einem beruflichen Arbeitstreffen machen? Unser Date lief jedenfalls gut und wir haben gemeinsam bis 3 gezählt und gleichzeitig ausgemacht. Perfekt.

Fazit:
Habt Mut zur Lücke, Mädels! Wenn er schon jetzt bemerkt, dass wir vielleicht nicht perfekt aussehen, perfekt die Technik beherrschen oder perfekt aufräumen, gibt es später keine Überraschungen. Aber ein paar Geheimnisse wie den Schlabberlook untenrum oder die alten Filzpantoffeln sollten wir uns schon bewahren. Das verstecken wir dann besser, wenn es zu einem echten Date oder „Hausbesuch“ kommt.

„Wie bitte, was, Albert? Ob ich auch ein Sexdate per Videokonferenz haben würde?“ Das muss sich Lillie erst noch überlegen. Davon vielleicht ein andermal. Ich drücke jetzt den „Meeting verlassen“-Button. Tschüss.

Foto: Susanne Saker

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