Höre auf Deinen Bauch: Kann ich mit Dir was anfangen?

Drei Dinge kann man tun, um herauszufinden, ob man mit jemandem grundlegend auskommen kann, freundschaftlich oder auch in der Liebe: gemeinsam paddeln, gemeinsam zelten oder gemeinsam kochen. Mit meinem Ex habe ich Ersteres vor vielen Jahren mal im Spreewald versucht – wir sind stundenlang im Kreis gefahren und dann nur sehr schwer vorwärts gekommen, weil wir uns nicht auf eine einzige Vorgehensweise einigen konnten. Wie in unserer Ehe. Zweiteres versuchte ich mit Freunden – erfolgreich, und wir sind noch enger zusammengewachsen, weil wir Zahnpasta und Shampoo geteilt, gemeinsam Wäsche gewaschen und nebeneinander die Toilette benutzt haben. Da kommt man sich nahe! Oder eben auch nicht.

Und das gemeinsame Kochen? Der beste Indikator, um Macken beim Anderen herauszufinden und auch, ob die fremden Lebensentwürfe und die eigenen zusammenpassen! Glaubt Ihr mir nicht? Hier drei Beispiele:

Fall Eins: Das gemeinsam Kochen wird angenommen oder abgelehnt

Ich hatte mich mal in einen wunderbaren Mann verguckt und dachte eigentlich, dass er mich auch mag. Aber wie herausfinden, ob es ihm allein um den Aufbau einer guten Freundschaft geht oder vielleicht auch um mehr? Die Lösung: eine Einladung zum gemeinsamen Kochen. Er hat sie damals abgelehnt und aus uns ist nie was geworden, aber meine Einladung hat ihm die Möglichkeit gegeben, ohne Gesichtsverlust „nein“ zu sagen. „Ich esse doch kaum was, Lillie, wegen meines Liebeskummers,“ sagte er, und, aha, alles war klar. Noch innerlich anderswo, nicht an mir interessiert. Kein Problem.

Fall Zwei: Das gemeinsame Kochen funktioniert nicht

F., männlich, (Liebe meines Lebens) und ich wollten zum ersten Mal gemeinsam kochen. Ein neues Rezept für ihn, der eher „gutbürgerlich“ kocht, ein heißgeliebtes von mir. Gemeinsames Schnippeln des Gemüses? Hat Spaß gemacht. Tiefe Blicke in die jeweils anderen Augen, prima. Scheut sich vor keiner Arbeit, dachte ich. Gemeinsam Dinge im heißen Wasser garen? Auch super, wir haben uns beim Umrühren gut abgewechselt. Übernimmt Verantwortung, mag Teamarbeit, las ich aus diesem Verhalten heraus. Bestens. Aber dann. Das geschnippelte Gemüse und das Gegarte auf einen großen Teller legen? Ging gar nicht. Ich arrangierte alles so, wie ich es schön fand, die heißen Dinge auf die eine Seite, gebratenes Ei in der Mitte, die kalten Dinge auf der anderen Seite. Hintergedanke: Kaltes bleibt kalt, Heißes bleibt warm. Und immer schön die Farben mischen, weil das was für’s Auge ist. Dann ging ich in‘s andere Zimmer, um den Tisch zu decken. Als ich zurückkam, war der Teller umdekoriert, farblich verändert, jedes Häufchen mit Petersilie garniert. Schrecklich. Wie auf einem DDR-Buffet. Nur die Russischen Eier fehlten. Damals habe ich gelacht ob unserer unterschiedlichen Vorstellungen von einem Gemüseteller und habe wieder alles umgeräumt. Dann wieder er, so wie er es besser fand, dann wieder ich. Schließlich haben wir’s aufgegessen. Und ein paar Wochen später fing er an, meine Familienrezepte zu verbessern. Ver-schlimm-bessern, würde ich heute sagen. Rouladen mit fünf Zwiebeln in der Soße! Obstsalat nur, wenn die Äpfel super klein geschnitten sind! Salat nur, wenn er selbst würzen kann! Ein Glas Wein nur in der ersten Monatshälfte! Geht alles gar nicht. Aber im Nachhinein war unser gemeinsames Leben und unsere Trennung dann genau so: zwei Dickköpfe, deren Lebensentwürfe nicht zusammen passen. Hätte ich eigentlich schon beim ersten Mal gemeinsam Kochen sehen können.

Fall Drei: Das gemeinsame Kochen klappt

Der Idealfall – man bespricht die Vorgehensweise gemeinsam, man schnippelt entspannt gemeinsam, trinkt das eine oder andere Gläschen Wein dazu, unterhält sich angenehm, und Stück für Stück wird das gemeinsame Mahl fertig. Keiner fühlt sich bemüßigt, schärfer zu würzen, als es dem Anderen guttut. Keiner zwingt dem Anderen eine Speise auf, nur weil sie einem selbst so gut schmeckt. Und man sieht auch gleich mal, ob der Andere die Küche verschweinst und hinterher nicht putzt oder, alternativ, die ganze Zeit nur rumwischt. Wenn die Wischgewohnheiten zueinander passen und am Ende ein wohliges Gefühl im Magen und überhaupt entsteht, hat die Beziehung Potential. Hört auf Euren Bauch!

Vorschlag von Lillie: Wenn Ihr mal wieder mit einem potentiellen Liebsten oder potentiellen neuen Freund (oder Freundin) kochen wollt, schaut doch mal auf diesen wunderbaren Blog: http://memoriesonplate.de/.

Dort findet sich bestimmt etwas Leckeres, an dem Ihr Euch ausprobieren könnt. Aber denkt dran, vor allem Ihr, Mädels: versucht nur nicht, den Mann mit einer perfekt gekochten Mahlzeit zu überraschen, sondern macht‘s gemeinsam!

Foto: Susanne Saker / memoriesonplate.de