Ein Loblied auf Schokolade und Freundschaft

„Ah,“ seufze ich und lasse mich in den Sessel sinken. Das letzte Date war so mies, dass ich die gute Schokolade, die ich mitgebracht hatte, nicht einmal ausgepackte. „Esse ich sie eben allein,“ denke ich, ein bisschen bockig, und breche das erste köstliche Stück ab. Dann greife ich zum Handy. Albert muss informiert werden, mein Weggefährte und Leidensgenosse im Datingchaos. Der hat immer so einen schönen kühlen Blick auf die Welt. Wo ich mit Tränen oder Verzweiflung oder lautem Lachen reagiere, zieht er die Augenbrauen ein bisschen zusammen und schaut mich durchdringend an. Ein Schöngeist ist er ja auch, mein Kumpel, aber eben vor allem Kopfmensch.

„Unglaublich, unglaublich,“ schreibe ich ihm, „dass es solche Männer gibt.“ Und schon starte ich mit der Beschreibung des letzten Desasters. Und ich bin mir sicher, dass er mir heute garantiert nicht antworten wird. Wochenende: da hat er immer Migräne. Frauensorgen: da zieht er sich gerne mal zurück und lässt erstmal Gras über die Sache wachsen. Ist eben auch ein Mann. Aber morgen, wenn meine Emotionen ein bisschen weniger Wellen schlagen, wird er was Nettes sagen, da bin ich sicher. Und mit ein paar Sätzen das ausanalysiert haben, was ich jetzt in tiefster Verzweiflung in mir hochkochen spüre.

Später fahre ich zu meiner Freundin. Als sie mich am Bahnhof abholt und ich sie sehe, breche ich in Tränen aus. Sie gleich auch. „Was ist denn los, meine Freundin,“ sagt sie mit warmer Stimme und umarmt mich fest, „bist du krank, hast du Kummer. Erzähl, erzähl.“ Noch auch dem Parkplatz wiegt sie mich in ihren Armen und ich erzähl ihr alles, während mir die Tränen aus den Augen laufen. Wir schnauben beide in unsere Taschentücher. Und auch der Rest des Tages ist so. Wir quatschen bis weit nach Mitternacht, ich an ihre Schulter gelehnt oder sie mit ihrem Fuß an meinem. Wie viele Sorgen haben wir schon miteinander geteilt? Wie viele Männer sind gekommen und gegangen, vor allem in ihrem Leben und erst seit Kurzem in meinem, und wir haben das gemeinsam durchgestanden? Wie viele Katastrophen werden wir noch gemeinsam bearbeiten, bereden, beweinen und belachen? Sie isst den Rest der Schokolade mit mir.

Was würde ich ohne die beiden machen in dieser verrückten Welt? Schokolade und Freundschaften. Und ich weiß: Alles wird gut.

Foto: w.r.wagner  / pixelio.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.